München – Bukarest

Anreise im rumänischen Schlafwagen Wien – Bukarest

München Hauptbahnhof an einem Montag im Januar 2020. Wir starten zu unserer ersten Etappe nach Bukarest. Los geht es um 11:30 Uhr im RailJetExpress 65. Einziger Umstieg in Wien Hbf. Die Fahrt vergeht wie im Flug. Musikhören, lesen, aus dem Fenster schauen. Vorbei an Salzburg und Linz erreichen wir vier Stunden später um 15:30 Uhr pünktlich den Wiener Hauptbahnhof.

Den vierstündigen Aufenthalt in Wien nutzen wir um etwas zu Essen und unsere Vorräte für die bevorstehend Fahrt im Nachtzug nach Bukarest zu erweitern. Mit der U-Bahn der Wiener Linien geht es zum Bahnhof Kettenbrückengasse. Die Tickets haben wir bequem über die App gekauft. Bei Swing Kitchen lassen wir uns es schmecken – jeder einen Cheeseburger und zusammen eine große Portion Hot Cheese Fries. Besonders beeindruckt uns, dass die Verpackungsmaterialien von Swing Kitchen 100% erdölfrei sind. Umweltsorgen ade.

Zurück am Bahnhof in Wien wird eingekauft. Zwei Spar Filialen gibt es im Bahnhof. Logisch dass wir beiden die Größere im Untergeschoss nutzen. Neben Brot und Belag gibt es Obst und natürlich ausreichend Getränke.

Um 19:30 Uhr zieht es uns dann auf den Bahnsteig. Schwer bepackt schauen wir uns erstmal erstaunt um – kein Zug zu sehen an Gleis 10. Ganz am Ende entdecken wir dann doch noch unseren Zug. Bei dem langen Bahnsteig und den wenigen Wagen haben wir den Zug glatt übersehen. Da steht er nun, der D 347 Dacia. Fahrtziel Bukarest Nordbahnhof.

Die Tickets und Reservierungen haben wir drei Wochen zuvor ganz bequem online auf oebb.at gebucht und bezahlt. Da es noch nicht möglich ist, mit E-Tickets nach Rumänien zu fahren, haben wir unsere fast schon altmodischen Papierfahrkarten zuvor am Automaten der ÖBB abgeholt. Für die 20-stündige Reise entschieden wir uns für die Fahrt im Schlafwagen. Es gibt auch die Möglichkeit im Liegewagen zu fahren (vierer Belegung). Zudem ist ein Sitzwagen bis Bukarest mit dabei – da braucht man aber ordentlich Sitzfleisch und die Abteile können im Sitzwagen nicht abgeschlossen werden.

Unser Wagen ist der erste hinter der Lok. Auf dem Bahnsteig erwartet uns schon der rumänische Schlafwagenschaffner. Die Begrüßung findet auf Rumänisch statt. Schnell wechselt er aber ins Englische und siehe da – wir verstehen was er will. Er behält Tickets und Reservierungen und wir dürfen unser 2-er Abteil beziehen.

Unser Double Abteil im Schlafwagen der rumänischen Eisenbahn (CFR)

Neben den beiden Betten gibt es eine Waschmöglichkeit im Abteil. Der erste Eindruck ist positiv, wir richten uns ein und machen es uns auf der unteren Liege gemütlich. Beim ersten Rundgang durch den Wagen stellen wir fest, dass nur ein weiteres Abteil an diesem Januarabend belegt ist. Ab Arad werden wir dann den kompletten Schlafwagen für den Rest der Strecke für uns alleine haben. Der Zug hat auf seinem Weg nach Rumänien zwei verschiedene Speisewagen. Einen ungarischen der MAV bis nach Budapest, einen rumänischen der CFR ab Curtici. Und beide wollen natürlich getestet werden. Budapest ist nur ein Katzensprung von Wien entfernt, also auf auf. Aber geht das so einfach? Am Ende des Schlafwagens stellen wir fest, dass der Wagenübergang mit einer Drahtschlinge verschlossen ist. Alles kein Problem meint der Schlafwagenschaffner und klärt uns über die Gefahren im Zug auf. Oft kommen nachts auf kurzen Streckenabschnitten Diebe an Bord und versuchen die Fahrgäste zu bestehlen. Er ist aber immer für uns da und passt auf, dass kein Unbefugter den Wagen betritt. Deswegen auch die archaisch wirkende Drahtschlinge zum Verschließen der Übergangstür. Er öffnet uns und gibt uns noch den wichtigen Hinweis zur Rückkehr („Knock loud with metal when you come back“). Nach dem wir den Liege- und den Sitzwagen nach Bukarest durchquert haben sind wir im Speisewagen der ungarischen Eisenbahn angekommen. Als einzige Gäste gibt es für uns einen Palatschinken und ein Bier. Zum Mitnehmen, unser Abteil ist einfach zu gemütlich.

Palatschinken aus dem MAV Speisewagen kurz vor Budapest

Irgendwann verzieht sich jeder von uns in seine Koje und wir machen die Augen zu. Lange schlafen wir aber nicht – um zwei Uhr nachts werden wir durch lautes Klopfen an unserer Abteiltür geweckt. Diese ist übrigens dreifach abzuschließen, so dass wir uns keine Sorgen um unsere Wertgegenstände machen müssen. Und dann ist ja noch unser Bodyguard in Form des Schlafwagenschaffners als Rückfallebene da. Wir werden beide wach, öffnen die Tür und vor uns steht der ungarische Grenzbeamte. Artig zeigen wir unsere Reisepässe vor – als EU Bürger werden wir praktisch durchgewunken. Der ungarische Zoll schaut auch noch kurz vorbei und schon zuckelt der Zug weiter nach Curtici auf die rumänische Seite der Grenze. Dort wiederholt sich das ganze nochmal – auch hier alles völlig problemlos. Als der Zug dann seine Fahrt in Richtung Osten fortsetzt schlummern wir bereits wieder. Natürlich haben wir vorher die Uhren auf osteuropäische Zeit umgestellt (MEZ+1).

Am Vormittag werden wir irgendwo in Siebenbürgen wach. Nicht ganz ausgeschlafen aber dennoch frohen Mutes starten wir in den neuen Tag. Bis Bukarest sind es ja noch ein paar Stündchen, so können wir den neuen Tag entspannt angehen lassen. Wir beobachten die vorbeiziehende Landschaft, die Dörfer und Städte und stellen erste Unterschiede fest. Sofort erkennt man – dass ist nicht mehr Deutschland oder Österreich. In den Dörfern keine Asphaltierten Straßen, hin und wieder erblicken wir noch Ochsenkarren. Und viele Industrieruinen. Nachdem sich ein erstes Hungergefühl breit macht gehts mal wieder in den Speisewagen – dieses mal in den Rumänischen. Die Drahtschlingentür am Ende des Wagens wieder überwunden, erreichen wir den CFR-Calatori Speisewagen. Wir werden freundlich begrüßt und wählen jeweils Kaffee und ein Omelette – Tee gibt es heute keinen.

Frühstück im rumänischen Speisewagen

Hier wird noch frisch gekocht und zubereitet. Umso besser schmeckt es uns. Der Besuch lohnt sich wirklich. Nach einer mit Händen und Füßen geführten lustigen Unterhaltung mit einem anderen Gast machen wir uns wieder auf den Rückweg zum Abteil. Wir lesen, unterhalten uns und machen zwischendurch noch mal die Augen zu. Wie angenehm so ein eigenes Schlafwagenabteil doch sein kann. Kurz vor Bukarest verputzen wir dann tatsächlich noch einen Teil unserer Vorräte aus dem Wiener Spar und fangen an unsere Sachen wieder zusammen zu packen. Unser Bodyguard bringt uns unsere Tickets und Reservierungen wieder und im Nu rollen wir in den Bukarester Nordbahnhof ein. Dieser ist der eigentliche Hauptbahnhof der Stadt.

Nach einer kurzen Bahnhofstour machen wir uns auf dem Weg zum internationalen Ticketschalter. Hier wollen wir die Fahrkarten und Reservierungen für unsere Weiterfahrt nach Chisinau einige Tage später abholen.

Ankunft-/Abfahrstafel Bukarester Nordbahnhof

Wie wir diese online bei der rumänischen Bahn gebucht haben, und vor allem was wir auf unserer spannenden Reise mit dem moldawischen Nachtzug alles erlebt haben, gibt es in einem der nächsten Teile in unserem Blog. Natürlich bekommt ihr auch noch nützliche Infos und viele Erlebnisse aus Bukarest hier.

Jetzt geht es aber erstmal per Straßenbahn ins Hotel, welches wir zuvor über booking.com gebucht haben.

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